Was die Behandlung von Depressionen heute ausmacht: Wege, die belegt sind, Wege, die gerade erforscht werden, und die Frage, wo Traumatherapie ansetzt.
Die Behandlung von Depressionen ruht heute auf zwei Säulen: Psychotherapie und Medikamente, je nach Schweregrad einzeln oder kombiniert. Für schwere und therapieresistente Verläufe kommen Verfahren wie Esketamin und Magnetstimulation dazu; Bewegung, Schlaf und Ernährung unterstützen jede Behandlung. Vieles, was gerade als neue Hoffnung durch die Medien geht, ist noch Forschung und kein Angebot, das du morgen bekommst. Dieser Beitrag ordnet ein, was belegt ist, was offen ist und wo meine Arbeit als Trauma- und Paartherapeutin ansetzt.
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Was gehört heute zur Behandlung von Depressionen?
Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der gedrückte Stimmung, Interessenverlust und fehlender Antrieb über mindestens zwei Wochen anhalten und den Alltag spürbar einschränken. Wie sie behandelt wird, richtet sich in Deutschland nach der Nationalen Versorgungsleitlinie Unipolare Depression. Sie fasst zusammen, welche Wege nach dem Stand der Forschung wirken.
Entscheidend ist der Schweregrad. Bei einer leichten Depression können zunächst auch digitale Programme verordnet werden. Mittelschwere Depressionen werden mit Psychotherapie oder Antidepressiva behandelt, beide Wege gelten als gleichwertig. Für schwere Depressionen empfiehlt die Leitlinie die Kombination aus beidem.
Rund um diese Grundlage gibt es heute mehr Möglichkeiten als je zuvor:
- Psychotherapie und Antidepressiva als tragende Säulen
- Esketamin und Psilocybin, das eine zugelassen, das andere in der Forschung
- Neurostimulation von der Magnetstimulation bis zur tiefen Hirnstimulation
- digitale Programme und Behandlung per Video
- Bewegung, Schlaf und Achtsamkeit
- Ernährung, Darm-Hirn-Achse und Nährstoffe
Ein Satz, den du dir merken kannst: Depression ist in aller Regel gut behandelbar, und wenn die erste Behandlung nicht anschlägt, heißt das noch lange nicht, dass nichts hilft.
Warum ich über dieses Thema schreibe
1999, mit 19 Jahren, bekam ich die Diagnose einer mittelschweren depressiven Episode und dazu die ersten Antidepressiva. Ja, du hast richtig gelesen: die ersten. Damit begann ein Suchspiel im Dunkeln nach dem passenden Stimmungsaufheller. Ich bekam verschiedene Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und trizyklische Antidepressiva, und vor allem bekam ich jede vorstellbare Nebenwirkung. Die schlimmste waren 20 Kilo Gewichtszunahme, gegen die ich mit immer weniger Essen ankämpfte, bis mein Körper gleichzeitig zu viel wog und unterversorgt war.
Die Depression war meine erste Diagnose. Auch hier schreibe ich mit Absicht „erste“, denn in den folgenden Jahren wurde daraus eine lange Liste, die, wie ich heute weiß, auch ein Ausdruck ärztlicher Hilflosigkeit war und manchmal eher der Abrechnung mit der Krankenkasse diente als mir.
Heute weiß ich mit Überzeugung: Es gibt Hoffnung. Die Forschung weiß inzwischen so viel mehr über das Entstehen von Depressionen und über die Wege heraus, als ich mir damals hätte vorstellen können.
Welche Rolle spielen Psychotherapie und Antidepressiva in der Behandlung von Depressionen?
Psychotherapie ist eines der wichtigsten Verfahren bei Depression. In Gesprächen und Übungen geht es darum, wie die Erkrankung entstanden ist, was sie aufrechterhält und was sich verändern darf. Neben der klassischen Einzeltherapie gibt es heute Gruppenangebote und Therapie per Video, die auch dort erreichbar sind, wo der nächste Therapieplatz weit weg ist.
Antidepressiva machen nicht abhängig, und sie sind keine Beruhigungsmittel. Eine erste Besserung zeigt sich meist nach zwei bis drei Wochen, die volle Wirkung oft nach drei bis vier Wochen. Wer sich besser fühlt, sollte sie trotzdem nicht sofort absetzen: Empfohlen wird, sie nach dem Abklingen der Depression noch sechs bis zwölf Monate in gleicher Dosis weiterzunehmen. Wer schon zwei oder drei depressive Phasen erlebt hat, dem wird eine Einnahme über mindestens zwei Jahre empfohlen. Abgesetzt wird immer langsam und gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.
Mit einem Mythos möchte ich an dieser Stelle aufräumen: dass eine Depression nicht heilbar sei und man ohne lebenslange Medikation nicht zurechtkomme. Die offizielle Empfehlung sieht für die meisten Menschen eine begrenzte Zeit vor. Depression ist in aller Regel gut behandelbar, und in den meisten Fällen gelingt es, sie zum Abklingen zu bringen. Medikamente können in der akuten Phase eine Krücke sein, die dich trägt, bis du wieder selbst gehen kannst.
Daneben wird an Wirkstoffen mit neuen Wirkmechanismen geforscht und daran, Medikamente gezielter auf den einzelnen Menschen abzustimmen.
Was können Esketamin und Psilocybin in der Behandlung von Depressionen?
Beide Substanzen gelten als Hoffnungsträger. Bei genauem Hinsehen fällt die Einordnung nüchterner aus.
Esketamin als Nasenspray
Ketamin, seit Jahrzehnten ein Narkosemittel, wirkt bei Depression oft innerhalb von Stunden statt Wochen. Das daraus abgeleitete Esketamin ist als Nasenspray zugelassen, wenn mindestens zwei Antidepressiva nicht ausreichend geholfen haben oder eine kurzfristige Notfallbehandlung nötig ist. Es wird immer zusammen mit einem Antidepressivum und nur unter Aufsicht in einer Praxis oder Klinik gegeben.
Wie stark es wirkt, ist umstritten. Eine systematische Auswertung von 2025 im American Journal of Psychiatry findet einen statistisch bedeutsamen, aber schwachen Zusatzeffekt auf die Depression, vergleichbar mit anderen Zusatzstrategien. Gegen die Suizidalität selbst fand sie zu keinem Zeitpunkt einen messbaren Effekt. Für die Erhaltungsbehandlung fand eine Übersicht in Lancet Psychiatry nur drei randomisierte Studien.
Psilocybin in der Forschung
Psilocybin, der Wirkstoff aus den sogenannten Magic Mushrooms, gehört zu den am intensivsten untersuchten Ansätzen. Zwei Studien im New England Journal of Medicine haben ihn geprüft, 2021 im Vergleich mit dem Antidepressivum Escitalopram und 2022 bei therapieresistenter Depression, beide in einer frühen Studienphase. Zugelassen ist Psilocybin weder in Deutschland noch in der EU oder den USA. Was du darüber liest, beschreibt Forschung, keine Behandlung, die du hier bekommst.
Welche Rolle spielt Hirnstimulation in der Behandlung von Depressionen?
Neurostimulationsverfahren wirken direkt auf die Aktivität bestimmter Hirnregionen. Die Magnetstimulation kommt ohne Operation aus, die Vagusnervstimulation und die tiefe Hirnstimulation brauchen einen Eingriff. Alle drei sind ärztliche Verfahren.
Transkranielle Magnetstimulation (TMS)
Bei der Magnetstimulation wird eine Spule an den Kopf gelegt, deren Magnetfeld Nervenzellen in bestimmten Hirnbereichen anregt. Eine Narkose braucht es dafür nicht. Behandelt wird meist über drei bis sechs Wochen täglich für 20 bis 30 Minuten, vor allem bei therapieresistenter Depression. Eine Auswertung von 110 Studien zeigte 2024: Ab einem bestimmten Punkt bringt mehr Stimulation keinen weiteren Gewinn.
Vagusnervstimulation (VNS)
Bei der Vagusnervstimulation wird ein kleines Gerät unter die Haut auf Höhe des Schlüsselbeins eingesetzt, ähnlich einem Herzschrittmacher, das schwache elektrische Impulse an den Vagusnerv abgibt. Infrage kommt sie bei chronischen oder wiederkehrenden schweren Depressionen. Eine mögliche Wirkung zeigt sich erst nach drei bis zwölf Monaten, und die Studienlage reicht bisher nicht aus, um sie sicher zu beurteilen.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Bei der tiefen Hirnstimulation werden Elektroden in das Gehirn eingesetzt. Bei Depression ist sie bisher ein Forschungsverfahren für sehr schwere Verläufe, bei denen alles andere nicht gewirkt hat.
Am längsten erprobt ist übrigens die Elektrokrampftherapie unter Kurznarkose. Sie gilt bei schweren und therapieresistenten Depressionen als besonders wirksames Verfahren.
Was leisten Apps in der Behandlung von Depressionen?
Digitale Programme erleichtern den Weg in die Behandlung, gerade wenn die Wartezeit auf einen Therapieplatz lang ist. Bei leichten Depressionen können geprüfte Gesundheits-Apps ärztlich verordnet werden; welche das sind, steht im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.
Was bewirken Bewegung, Schlaf und Achtsamkeit?
Depression betrifft den ganzen Körper. Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung depressive Beschwerden verringern kann, weshalb Sport in vielen Kliniken fester Teil des Therapieplans ist. Viele Betroffene schlafen schlecht oder kommen aus ihrem Schlaf-Wach-Rhythmus. Achtsamkeit, Meditation oder Yoga helfen, Stress zu regulieren und wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen; die moderne Verhaltenstherapie hat achtsamkeitsbasierte Elemente längst aufgenommen.
Ein Nährstoff gehört für mich an diese Stelle: Magnesium. Es trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur normalen psychischen Funktion bei, so lauten die in der EU zugelassenen Angaben. Für den Schlaf ist die Studienlage dünn: Eine Übersichtsarbeit von 2021 fand nur drei kleine Studien mit älteren Menschen. Ich erwähne es trotzdem, weil Schlaf und ein reguliertes Nervensystem so viel tragen, wenn es um den Weg aus einer Depression geht.
Was hat der Darm mit Depression zu tun?
Darm und Gehirn sind über die Darm-Hirn-Achse verbunden, über Nerven, Botenstoffe und das Immunsystem. Wie viel Ernährung ausrichten kann, zeigt eine der wenigen Studien, die den Zusammenhang tatsächlich geprüft haben. In der australischen SMILES-Studie von 2017 erhielten Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Depression zwölf Wochen lang entweder eine Ernährungsberatung oder soziale Begleitung, jeweils zusätzlich zu ihrer laufenden Behandlung. In der Ernährungsgruppe klangen die Beschwerden bei rund 32 Prozent weitgehend ab, in der Vergleichsgruppe bei 8 Prozent. Die Gruppe war klein, und in dieser Form wiederholt wurde die Studie nicht. Aber sie ist mehr als eine Vermutung.
Hilft eine ketogene Ernährung bei Depression?
Die ketogene Ernährung, reich an Fett und arm an Kohlenhydraten, verändert, woraus das Gehirn seine Energie zieht. Was daraus für depressive Erkrankungen folgt, ist offen: Eine Übersichtsarbeit von 2023 kommt zu dem Schluss, dass die Wirkmechanismen weitgehend unerforscht sind. Für exogene Ketone, also Ketonkörper als Nahrungsergänzung, fehlen bei Depression bislang aussagekräftige Studien. Was hinter der Aussage „Ketose heilt 43 Prozent der psychischen Erkrankungen“ steckt, habe ich in einem eigenen Faktencheck zur ketogenen Ernährung aufgeschlüsselt.
Können Antidepressiva Nährstoffmängel verursachen?
Antidepressiva greifen in den Stoffwechsel ein, und manche verändern Appetit und Gewicht deutlich. Ich habe das am eigenen Körper erlebt. Bekannt ist außerdem, dass vor allem SSRI bei älteren Menschen den Natriumspiegel im Blut senken können. Wie stark Antidepressiva darüber hinaus Vitamine und Mineralstoffe beeinflussen, ist weniger gut untersucht, als es in vielen Ratgebern klingt.
Was daraus folgt, ist trotzdem einfach: Lass deine Blutwerte ärztlich prüfen, gerade wenn du Antidepressiva über längere Zeit nimmst.
Welche Nährstoffe sind für die Behandlung von Depressionen untersucht?
Was Nährstoffe bei psychischen Erkrankungen leisten, hat eine internationale Leitlinie 2022 zusammengetragen und dabei deutlich unterschieden. Der wichtigste Satz daraus steht über allen einzelnen Mitteln: Sie werden als Ergänzung innerhalb einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung eingeordnet und ersetzen sie nicht.
Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren sind der am besten untersuchte Nährstoff in diesem Feld. Die Leitlinie spricht dafür eine Empfehlung aus, und zwar zusätzlich zu einer laufenden Behandlung. Als alleinige Maßnahme empfiehlt sie Omega-3 ausdrücklich nicht.
Vitamin D
Ein Vitamin-D-Mangel wird mit Depression in Verbindung gebracht. Die Leitlinie stuft die Studienlage dazu als schwach ein. In meiner Praxis orientiere ich mich an einem Spiegel von 60 bis 80 ng/ml. Das ist meine Erfahrung, kein Leitlinienwert: Labore setzen die Grenze zum Mangel deutlich niedriger an, meist bei 20 bis 30 ng/ml. Messung und Bewertung gehören in fachkundige Hände.
B-Vitamine
B-Vitamine sind für das Nervensystem wichtig. Ob eine Einnahme sinnvoll ist, zeigt die Messung, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt.
Magnesium, Zink und Probiotika
Zink und Probiotika empfiehlt die Leitlinie vorläufig zusätzlich zu einer laufenden Behandlung, Magnesium als Mittel gegen Depression ausdrücklich nicht. Ich nenne Magnesium trotzdem, wegen Schlaf und Nervensystem.
Welche Therapieverfahren gibt es zur Behandlung von Depressionen?
Wer eine Therapie sucht, stößt schnell auf die Frage, welches Verfahren das richtige ist. Vier Verfahren gelten in Deutschland als Richtlinienverfahren, ihre Kosten übernimmt die Krankenkasse: die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die analytische Psychotherapie und die systemische Therapie. Die meisten Wirksamkeitsbelege bei Depression liegen für die kognitive Verhaltenstherapie vor.
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass Gedanken, Überzeugungen und Verhalten gelernt sind und sich gegenseitig beeinflussen. Sie arbeitet strukturiert und vor allem im Hier und Jetzt: Wer sich zurückgezogen hat, wird Schritt für Schritt wieder aktiver, und belastende Überzeugungen wie „Alles, was ich anfange, geht schief“ werden auf den Prüfstand gestellt.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die Tiefenpsychologie fragt, aus welchen unbewussten Konflikten eine Depression entstanden ist. Sie schaut auf das Selbstwertgefühl, auf Verlust- und Trennungsängste und auf Muster, die sich in Beziehungen wiederholen. Die analytische Psychotherapie geht noch tiefer in die Vergangenheit und eignet sich für die akute Phase eher nicht.
Systemische Therapie
Die systemische Therapie versteht depressive Beschwerden im Zusammenhang mit dem Umfeld: Familie, Partnerschaft, Arbeit. Sie prüft, welche Muster die Depression verstärken, zum Beispiel Rückzug bei Konflikten oder übermäßige Verantwortungsübernahme. Wichtige Bezugspersonen können in die Sitzungen kommen. Auch die Aufstellungsarbeit stammt aus dieser Denkweise.
Traumatherapie
Die Traumatherapie setzt beim Nervensystem an. Sie fragt, welche Überlebensstrategie ein Mensch einmal gebraucht hat, um sicher zu sein, und wie viel Energie es ihn heute kostet, dass sein Nervensystem noch im Überlebensmodus läuft. Traumatherapie ist kein eigenes Kassenverfahren; einzelne traumatherapeutische Methoden kommen aber auch innerhalb der Richtlinienverfahren zum Einsatz. Bei einer Depression kann sie die ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung ergänzen und den Blick auf etwas lenken, das dort leicht zu kurz kommt.
Wenn Anpassung zur Erschöpfung wird: Fawning und das nicht gelebte Leben
Ein Satz, der Marshall B. Rosenberg zugeschrieben wird, dem Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, lautet: „Depression ist die Belohnung fürs Bravsein.“ Er ist provokant gemeint, und er trifft einen Zusammenhang, den ich als Trauma- und Paartherapeutin in meiner Praxis sehe.
Fawning (also eine Trauma-Überlebensstrategie) ist eine von vier Trauma-Reaktionen neben Kampf, Flucht und Erstarren, und die, die alle für Freundlichkeit halten. Wer als Kind gelernt hat, dass Sicherheit entsteht, wenn zuerst die Bedürfnisse der anderen erfüllt sind, wird (z.B.) leiser, braver, hilfsbereiter. Das war damals eine kluge Entscheidung, denn sie hat dem Nervensystem Sicherheit versprochen. Als Erwachsene sind diese Menschen verlässlich, belastbar und beliebt, und kaum jemand kennt sie wirklich. Nicht einmal sie selbst.
Ich sage es mit meinen eigenen Worten so: Depression ist die Belohnung für das nicht gelebte Leben. Wer über Jahre an den eigenen Bedürfnissen, Talenten und Wünschen vorbeilebt, steckt seine ganze Energie in Anpassung. Irgendwann zieht der Körper die Notbremse. Die Depression nimmt die Kraft, die es bräuchte, um so weiterzumachen wie bisher. Von außen sieht das oft lange aus wie ein Leben, das funktioniert; manche nennen das eine hochfunktionale Depression.
Unsere Gesellschaft belohnt das Bravsein mit Anerkennung, mit Beförderungen und mit dem Ruf, pflegeleicht zu sein. Die Rechnung kommt später, und sie kommt beim Nervensystem an.
Was das für die Behandlung von Depressionen bedeutet
Das gilt nicht für jede Depression. Gene, Hormone, körperliche Erkrankungen und schwere Lebensereignisse spielen genauso hinein. Dabei geht es auch nicht um Schuld, weder bei dir noch bei deinen Eltern, sondern um Selbstverantwortung: um die Frage, welches Leben du ab jetzt führen willst. Wie der Weg aus dem Fawning konkret aussehen kann, beschreibe ich im Beitrag Nein sagen ohne schlechtes Gewissen.
In der Traumatherapie schauen wir gemeinsam darauf, welche Überlebensstrategie dein Nervensystem gewählt hat, was sie dich heute kostet und welche neuen Erfahrungen es braucht, damit du sie nicht mehr brauchst.
Was mir selbst geholfen hat
Ich habe im Laufe der Jahre sehr viel ausprobiert. Die Dinge, die mir am nachhaltigsten geholfen haben, nutze ich heute in meiner Praxis, zum Beispiel die systemische Aufstellung in der Gruppe. Ich weiß, wie dunkel sich das Leben anfühlen kann. Und hier bin ich, lebendig, um so vielen Menschen wie möglich zu zeigen, dass sich die Dunkelheit verwandeln lässt.
Mehr über mich und meine Geschichte erzähle ich in meinem Buch „Leichte Mädchen Weisheiten“ von Sabine Verges (Werbelink) und auf Instagram unter @besserlebenmitbiene.
Wo finde ich Hilfe für die Behandlung von Depressionen?
Wenn du vermutest, dass du an einer Depression leidest, such dir Unterstützung. Gute erste Ansprechpartner sind:
- deine Hausärztin oder dein Hausarzt
- Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie
- psychologische und ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten; einen Termin für ein Erstgespräch vermittelt auch die Terminservicestelle unter 116 117
- Selbsthilfegruppen
- die Informationen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Du bist damit nicht allein. Es gibt Hoffnung, und es gibt Hilfe.
In einer akuten Krise erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123. Bei akuter Suizidgefahr ruf sofort den Notruf 112 oder wende dich an die nächste psychiatrische Klinik.
Häufige Fragen zur Behandlung von Depressionen
Welche neuen Ansätze gibt es bei der Behandlung von Depressionen?
Neben Psychotherapie und Antidepressiva gibt es heute Esketamin als Nasenspray bei therapieresistenter Depression, die Magnetstimulation, ärztlich verordnete Gesundheits-Apps und stoffwechselorientierte Ansätze über Ernährung und Darm-Hirn-Achse. Psilocybin wird intensiv erforscht, ist in Deutschland aber nicht zugelassen. Die meisten neuen Ansätze kommen zusätzlich zu den bewährten Wegen zum Einsatz.
Was hilft am schnellsten gegen Depressionen?
Nach meiner Erfahrung hilft am schnellsten die Verbindung aus Medikamenten und wöchentlicher therapeutischer Begleitung. Antidepressiva zeigen meist nach zwei bis drei Wochen eine erste Besserung, die volle Wirkung oft nach drei bis vier Wochen. Bei therapieresistenter Depression kann Esketamin innerhalb von Stunden wirken; es wird nur unter ärztlicher Aufsicht gegeben.
Wie lange dauert die Behandlung von Depressionen?
Die akuten Beschwerden klingen mit Behandlung in den meisten Fällen ab; danach wird empfohlen, Antidepressiva noch sechs bis zwölf Monate weiterzunehmen. Der Weg aus dem Muster, das die Depression genährt hat, dauert nach meiner Praxiserfahrung länger: Realistisch sind etwa fünf Jahre. Je länger der Beginn der Behandlung hinausgezögert wird, desto länger wird dieser Weg.
Kann man Depressionen ohne Medikamente behandeln?
Prinzipiell ja, abhängig vom Schweregrad und deinen Lebensumständen, und immer therapeutisch begleitet. Bei mittelschweren Depressionen gelten Psychotherapie und Antidepressiva als gleichwertige Wege, bei schweren wird die Kombination empfohlen. Medikamente sind eine Krücke für die akute Phase und keine Dauerlösung bis ans Lebensende; auch die offizielle Empfehlung sieht für die meisten Menschen eine begrenzte Zeit vor. Wann und wie du sie absetzt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, nie allein.
Was ist besser, Tiefenpsychologie oder Verhaltenstherapie?
Beide sind anerkannte Verfahren, deren Kosten die Krankenkasse übernimmt, und für die kognitive Verhaltenstherapie liegen bei Depression die meisten Wirksamkeitsbelege vor. Welche besser passt, ist aus meiner Sicht vor allem eine Frage der persönlichen Präferenz. Die Verhaltenstherapie arbeitet stärker im Hier und Jetzt an Gedanken und Verhalten, die Tiefenpsychologie fragt, aus welchen Konflikten und Beziehungserfahrungen ein Muster entstanden ist.
Was ist der Unterschied zwischen Traumatherapie und Verhaltenstherapie?
Die Verhaltenstherapie verändert gezielt Denk- und Verhaltensmuster. Die Traumatherapie setzt beim Nervensystem an: bei Überlebensstrategien, die einmal Schutz geboten haben und heute Energie kosten. Sie ist kein eigenes Kassenverfahren und kann eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung der Depression ergänzen.
Ist Psilocybin bei Depressionen in Deutschland zugelassen?
Nein. Psilocybin ist weder in Deutschland noch in der EU oder den USA als Medikament gegen Depressionen zugelassen und außerhalb von Studien nicht verfügbar. Zugelassen ist dagegen Esketamin als Nasenspray, wenn mindestens zwei Antidepressiva nicht ausreichend geholfen haben; es wird nur in einer Praxis oder Klinik unter Aufsicht gegeben.
Was hilft bei therapieresistenter Depression?
Wenn mehrere Antidepressiva nicht ausreichend wirken, wird zunächst das Medikament gewechselt, ein zusätzliches Medikament wie Lithium eingesetzt oder die Psychotherapie verstärkt. Danach kommen Esketamin, die Magnetstimulation und die Elektrokrampftherapie infrage, in sehr schweren Fällen auch die Vagusnervstimulation. Aus traumatherapeutischer Sicht lohnt zusätzlich der Blick auf Überlebensstrategien, die eine Depression aufrechterhalten können.
Weiterlesen auf dem Blog
- Nein sagen ohne schlechtes Gewissen: der Weg aus dem Fawning: wie aus Anpassung wieder eine eigene Entscheidung wird
- Was wollen mir meine Panikattacken sagen?: wenn der Körper Alarm schlägt, bevor der Verstand die Lage bewertet
- „Ketose heilt 43 % der psychischen Erkrankungen?“: was an der Aussage dran ist
- Biophotonen Neuausrichtung: ein Ansatz aus meiner Praxis, der mit Licht statt mit Worten arbeitet
Quellen
Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: Behandlung der Depression, abgerufen am 11.10.2026. deutsche-depressionshilfe.de/wissen/behandlung
Bundesärztekammer, KBV, AWMF (Hrsg.): Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression. leitlinien.de/themen/depression
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Mah J, Pitre T (2021): Oral magnesium supplementation for insomnia in older adults: a Systematic Review & Meta-Analysis. BMC Complementary Medicine and Therapies. doi.org/10.1186/s12906-021-03297-z
Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission, Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel (Magnesium). eur-lex.europa.eu
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Hyponatriämie unter Escitalopram. akdae.de
Letzte Aktualisierung: Oktober 2026.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Setze verschriebene Medikamente niemals ohne ärztliche Begleitung ab.
Wenn du diesen Weg nicht allein gehen willst
Wenn du dich beim Lesen angesprochen gefühlt hast und herausfinden möchtest, welche Überlebensstrategie bei dir mitspielt, lade ich dich zu einem Erstgespräch ein. Wir schauen gemeinsam, wo du gerade stehst und welcher nächste Schritt zu dir passt. Das Gespräch kann eine laufende ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung ergänzen.


