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Feminismus und Sexualität – wir werden verarscht

Wir müssen aufhören, Sex dafür zu benutzen, unsere Traumata zu vertiefen. Wie ich das meine, erfährst du im folgenden Blog-Artikel. Viel Spaß beim Lesen.

ÜBER MICH

Mama, Tabus-Brecherin, Silberstreifen-am-Horizont-Finderin, Mit-dem-Herzen-Zuhörerin, Autorin und vieles mehr.

Ich bin Fan von: Ehrlichkeit, Respekt, Wertschätzung, geistigem Austausch, Verbundenheit, Wachstum, Weiterentwicklung, Zuverlässigkeit, Kampfgeist, Menschen, die offen, vorurteilsfrei und begeisterungsfähig sind.

Ich liebe meine Wahl- und Blutfamilie, Eiscreme, Fahrtwind, meinen 1er BMW, IKEA, den Geruch von Pappellaub im Herbst, Musik, Literatur, Psychologie, mein Leben und meine Arbeit. Nicht immer in dieser Reihenfolge.

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Feminismus und Sexualität – wir werden verarscht

Hör auf, dich selbst zu belügen.

Bist du sexuell frei oder vertuscht du damit nur deine Traumatisierung?

Ich bin eine Frau in ihren 40ern. Ich bin Mutter eines Jungen. Ich habe 14 Jahre Missbrauch unter dem Deckmantel der katholischen Kirche erlebt. Ich bin tief im Thema Sexualität drin, zum Einen, durch meine persönlichen Erfahrungen, zum Anderen durch die vielen Jahre meiner Arbeit mit Frauen, Männern und Paaren. Das, was du gleich lesen wirst, ist also nicht nur das Fachwissen und der Erfahrungsschatz einer Traumatherapeutin, sondern auch der ganz persönliche Wunsch, Frauen zu ermächtigen, aufzuklären und ihnen zu wert- und liebevollen Beziehungen zu verhelfen. Also lass mich mit einem ganz klaren Statement starten:

Wir müssen aufhören, Sex dafür zu benutzen, unsere Traumata zu vertiefen.

Müssen ist so ein hartes Wort und kann schnell herablassend wirken. Ich benutze es hier, weil ich wirklich davon überzeugt bin, dass die gesellschaftlich notwendige Veränderung kein Konjunktiv ist, sondern ein Muss, das auch ganz viel bitten, hoffen und Dringlichkeit transportieren soll. Lass uns ehrlich sein: Bist du auf dieser Seite gelandet, weil du dich fragst, ob deine sexuelle Einstellung vielleicht mehr mit einer Trauma-Reaktion zu tun hat, als du dir eingestehen möchtest? Es gibt einen schmalen Grat zwischen einer gesunden, offenen Sexualität und einem zwanghaften Bedürfnis nach sexuellen Begegnungen und Erfahrungen, das tieferliegende Probleme verdeckt. Als Traumatherapeutin spreche ich oft mit Menschen, die Schwierigkeiten haben, diese Grenze zu erkennen. Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen.

Die Lüge vom unverbindlichen Sex

Fangen wir mit der größten Lüge an, die dir wahrscheinlich schon begegnet ist: Unverbindlichen Sex zu haben bedeutet, dass du „aufgeschlossen“ bist. Das ist schlichtweg falsch. Manchmal bedeutet es, dass du dich ohne Sex wertlos fühlst, als ob du keine Existenzberechtigung hättest. Sex wird dann zu einer Art Betäubung, einem Mittel, um deine inneren Wunden zu stillen – eine tiefe Sehnsucht nach Bestätigung, die durch ein Trauma verursacht wurde. Ich kenne das aus meinen Sitzungen. Menschen kommen zu mir und sagen, sie hätten den besten Sex ihres Lebens, fühlen sich aber im Nachhinein leer und abgelehnt. Ein häufiges Muster? Sie überschreiten ihre eigenen Grenzen, nicht aus Lust oder Neugierde, sondern aus Angst. Angst, nicht genug zu sein. Angst, verlassen zu werden. Es ist eine schmerzhafte Erfahrung, weil du dich in diesen Momenten selbst verrätst.

Sexuelle Befreiung oder Trauma?

Die Zustimmung zu unverbindlichem Sex ist oft eine Reaktion auf vergangene Traumata. Wenn du in deiner Kindheit oder Jugend emotional vernachlässigt wurdest oder sogar Missbrauch erlebt hast, hat das sehr wahrscheinlich tiefe Spuren hinterlassen. Vielleicht hast du gelernt, dass du geliebt wirst, wenn du etwas „gibst“, oder du hast das Gefühl, dass deine Bedürfnisse keinen Raum haben. Sex wird dann zur Bühne, auf der du beweisen musst, dass du es wert bist. Aber hier ist die Wahrheit: Niemand, absolut niemand, sollte sich durch sexuelle Handlungen wertvoller machen (müssen). Du bist genug, auch ohne ständig zu geben – ganz besonders als Frau. Dein Wert hängt nicht von der Anzahl der Menschen ab, die dich begehren oder mit denen du schläfst. Dennoch können vergangene Erfahrungen dich in diese Verhaltensmuster drängen, die sich schwer durchbrechen lassen.

Warum Sex als Bewältigungsmechanismus oft versagt

Du kennst vielleicht das Gefühl: Du suchst nach Nähe, nach Intimität und Erfüllung. Aber stattdessen landest du immer wieder in flüchtigen Affären, die dich letztendlich noch leerer hinterlassen, als du dich zuvor gefühlt hast. Der Grund dafür? Du versuchst, eine emotionale Leere durch physische Handlungen zu füllen. Aber hier ist das Problem: Sex ist keine Lösung für emotionale Wunden. Er ist nicht das Pflaster, das über deine tiefe Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe gelegt werden kann.

Unverbindlicher Sex in Form von One-Night-Stands, Situationships und Freundschaft Plus entfernt dich noch weiter von Liebe, Intimität und echter Verbindung und Verbindlichkeit, weil diese Trauma-Strategie nur kurzfristig funktioniert.

Im Moment der sexuellen Begegnung fühlst du dich vielleicht gebraucht und begehrt, aber danach bleibt oft das Gefühl von Leere, Schuld oder sogar Ekel gegenüber dir selbst. Und das ist der Kreislauf, der sich immer wiederholt, wenn du nicht anfängst, die zugrunde liegenden Ursachen anzugehen.

Wie die Medien und Pornografie deine Wahrnehmung verzerren

Ein weiterer Faktor, der häufig übersehen wird, ist die Rolle der Medien und der Pornografie. Unsere heutige Kultur ist von übersexualisierten Bildern und Darstellungen durchdrungen. Auf Social Media, in Filmen und in der Werbung – überall wird uns suggeriert, dass Sex das ultimative Ziel ist, das Erfüllung bringt. Diese Darstellungen sind jedoch oft unrealistisch und fördern ein verzerrtes Bild von Sexualität. Pornografie verstärkt diese falschen Vorstellungen noch weiter. Sie zeigt nicht die Realität von intimen Beziehungen, sondern vermittelt oft ein hypersexualisiertes, extremes Bild von Sex. Vor allem, wenn du Pornografie als Flucht nutzt, um emotionale Leere zu füllen, riskierst du, deine eigene Sexualität in eine ungesunde Richtung zu entwickeln. Du beginnst vielleicht zu glauben, dass du in der Realität das Gleiche erwarten oder anbieten musst, wie das, was du auf dem Bildschirm siehst. Und ich fang an dieser Stelle gar nicht erst an, dir zu erklären, was du dadurch mit deinen Neurotransmittern und deiner Fähigkeit zum Orgasmus zu kommen machst. Aber lass mich dir etwas sagen: Die Art und Weise, wie du dich selbst und deine Sexualität in diesen Momenten siehst, ist nicht real. Diese Medien erschaffen eine Illusion, die mit echter Intimität und Verbindung nichts zu tun hat. Es ist wichtig, das zu erkennen und deinen Medienkonsum kritisch zu hinterfragen.

Anzeichen für eine gesunde versus ungesunde sexuelle Einstellung

Vielleicht fragst du dich jetzt: Woher weiß ich, ob meine sexuelle Einstellung gesund ist oder nicht? Es gibt einige klare Anzeichen, die dir helfen können, den Unterschied zu erkennen.

Gesunde sexuelle Einstellung:

  • Du fühlst dich in deinem Körper und deiner Sexualität wohl, ohne dich unter Druck gesetzt zu fühlen.
  • Du hast Sex, weil du es willst, nicht, weil du dich gezwungen oder verpflichtet fühlst.
  • Deine Sexualität ist nur ein Teil deines Lebens, nicht der Mittelpunkt, um den sich alles dreht.
  • Du kannst deine eigenen Grenzen respektieren und klar kommunizieren.
  • Du erlebst Sex als eine Verbindung mit deinem Partner oder deiner Partnerin und nicht als etwas, das du aus Angst oder Unsicherheit tust.

Ungesunde sexuelle Einstellung:

  • Du benutzt Sex als Mittel, um dich wertvoll zu fühlen oder Ablehnung zu vermeiden.
  • Du fühlst dich emotional abhängig von der Bestätigung, die du durch Sex erhältst.
  • Deine sexuellen Handlungen überschreiten oft deine eigenen Grenzen, aber du traust dich nicht, „Nein“ zu sagen.
  • Du suchst nach immer extremeren sexuellen Erlebnissen, um das gleiche Gefühl von Erfüllung zu bekommen.
  • Sex wird zu einer Flucht vor deinen Gefühlen, anstatt zu einer ehrlichen, intimen Begegnung.

Die Grenze zwischen gesunder Neugierde und Trauma-Reaktion

Sexuelle Neugierde ist etwas Schönes. Sie kann dich und deinen Partner oder deine Partnerin näher bringen, neue Facetten eurer Beziehung aufzeigen und Intimität vertiefen. Aber wie erkennst du, ob deine Neugierde gesund ist oder ob sie auf einem Trauma basiert?

Eine gute Methode ist, auf deine inneren Motive zu achten. Frag dich:

  • Will ich das wirklich?
  • Warum gebe ich hier meine aktive oder passive Zustimmung?
  • Tue ich es, um Anerkennung zu bekommen?
  • Fühle ich mich in der Situation sicher und respektiert, oder habe ich das Gefühl, dass ich meine Grenzen überschreite bzw. überschreiten lasse?
  • Macht mir die Vorstellung, diese Erfahrung zu machen, Freude, oder tue ich es, um Ablehnung zu vermeiden?
  • Welche unterschwelligen Ängste spüre ich und habe ich diese offen kommuniziert?

Wenn du feststellst, dass deine sexuellen Handlungen eher aus Angst oder Unsicherheit resultieren, als aus echter Neugierde oder Lust, könnte es Zeit sein, innezuhalten und deine Beweggründe zu hinterfragen.

Warum es wichtig ist, sich Hilfe zu holen

Wenn du erkennst, dass dein Verhältnis zu Sex und Intimität von alten Wunden und Traumata beeinflusst wird, dann ist es wichtig, dir Unterstützung zu suchen. Als Traumatherapeutin erlebe ich oft, dass Menschen jahrelang ihre wahren Gefühle unterdrücken, weil sie sich schämen oder nicht wissen, wie sie mit ihren Problemen umgehen sollen. Aber der erste Schritt zur Heilung ist immer die Einsicht, dass du Hilfe brauchst. Es gibt ok, zuzugeben, dass du mit deinen sexuellen Bedürfnissen und deinem Verhalten Schwierigkeiten hast. In der Therapie geht es darum, die Wurzeln deines Verhaltens zu verstehen, deine Grenzen neu zu definieren und gesündere Wege zu finden, um emotionale Nähe und Intimität zu erleben. Du bist nicht allein auf diesem Weg – es gibt so viele Menschen, die ähnliche Herausforderungen durchmachen.

Fazit: Du bist genug – auch ohne ständig zu geben

Am Ende des Tages kommt es darauf an, dass du erkennst, dass du genug bist. Du musst nicht ständig geben, um geliebt oder gewollt zu werden. Du hast das uneingeschränkte Recht, Grenzen zu setzen, respektiert zu werden und eine Sexualität zu leben, die auf gegenseitigem Einverständnis und echtem Verlangen basiert – nicht auf Angst und Unsicherheit. Wenn du das Gefühl hast, dass deine sexuelle Einstellung mehr mit einem Trauma zu tun hat oder haben könnte, als du zunächst erkannt hast, dann lade ich dich ein, darüber zu sprechen. Es gibt einen Weg, um vom unverbindlichen Sex, der Situationship oder Freundschaft Plus zur authentischen sexuellen Offenheit zu gelangen – und er beginnt mit dem Mut, hinzusehen und ehrlich mit sich selbst zu sein.

FAQs

1. Wie erkenne ich, ob ich meinen Wert über meine Sexualität definiere?

Wenn du das Gefühl hast, dass deine Gedanken ständig um das Begehrt werden kreisen (Stichwort „pick me girl“ und dein Leben davon stark beeinflusst wird, ist das ein starker Hinweis auf von Trauma beeinflusster Sexualität sein. Andere Anzeichen sind
  • das Überschreiten deiner eigenen sexuellen Grenzen,
  • das Gefühl, Sex nutzen zu müssen, um dich wertvoll zu fühlen, oder
  • der Versuch, negative Emotionen wie z.B. Einsamkeit durch unverbindliche Begegnungen oder sexuelle Aktivitäten zu verdrängen.
Eine genaue Diagnose kann jedoch nur durch einen Fachmann erfolgen.

2. Ist unverbindlicher Sex immer eine Folge von Trauma?

Die Fähigkeit zu unverbindlichem Sex kann, muss aber nicht immer mit einem Trauma zusammenhängen. Hier muss man Frauen und Männer deutlich unterscheiden, weil unser Hormonhaushalt und auf welche Reize er reagiert andere Grundbedingungen schafft. Es kann auch andere psychologische oder biologische Ursachen haben, wie zum Beispiel Impulskontrollstörungen oder den Einfluss von Suchtverhalten. Traumatische Erfahrungen, wie Missbrauch oder emotionale Vernachlässigung, können jedoch oft eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von hypersexuellem Verhalten spielen.

3. Wie kann ich meine Beziehung zu Sex verbessern?

Der erste Schritt, um deine Beziehung zu Sex zu verbessern, ist Selbstreflexion. Frage dich, warum du Sex hast und wie du dich danach fühlst. Achte auf deine Grenzen und sprich offen mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber. Es kann auch hilfreich sein, professionelle Unterstützung in Form von Therapie in Anspruch zu nehmen, um eventuelle tieferliegende Themen zu bearbeiten und gesunde Verhaltensmuster zu entwickeln.

4. Ist sexuelle Offenheit immer etwas Positives?

Sexuelle Offenheit kann sehr positiv sein, wenn sie auf freiwilliger Basis und in einem sicheren, respektvollen Rahmen geschieht. Es bedeutet, neugierig und bereit zu sein, neue Dinge zu erleben, solange sie mit deinen Werten und Grenzen übereinstimmen, du dir dieser voll bewusst bist und auch in der Lage, sie zu kommunizieren und für sie einzustehen. Wichtig ist, dass sexuelle Offenheit niemals auf Angst, Unsicherheit oder dem Wunsch basiert, anderen zu gefallen. Es sollte immer um gegenseitigen Respekt und Konsens in einem emotional und körperlich sicheren Raum gehen.

5. Wie kann ich unterscheiden, ob meine sexuelle Offenheit gesund ist oder aus Trauma resultiert?

Eine gesunde sexuelle Offenheit fühlt sich positiv und bejahend an. Du bist in deinen Handlungen authentisch selbstbestimmt, und erlebst Sex als bereichernde Erfahrung. Hier liegt aber auch die größte Gefahr, weil die Gesellschaft es uns so unfassbar leicht macht, uns hier selbst zu belügen. Wenn du jedoch merkst, dass du dich durch Sex wertvoller fühlst oder Angst hast, abgelehnt zu werden, wenn du nicht „alles gibst“, könnte dies auf eine Trauma-Reaktion hindeuten. In diesem Fall ist es wichtig, innezuhalten und deine wahren Beweggründe zu hinterfragen – und eventuell professionelle Unterstützung in Betracht zu ziehen.

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