Als ich 1999 19 Jahre alt war, wurde bei mir eine mittelschwere depressive Episode diagnostiziert und ich bekam die ersten Anti-Depressiva verschrieben. Ja, du hast richtig gelesen, die ersten. Damit begann ein wildes im Dunkeln stocherndes Suchspiel nach den passenden Stimmungsaufhellern. Ich bekam verschiedene SSRI (Selective Serotonin Reuptake Inhibitors, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und Trizyklische Antidepressiva – aber vorallem bekam ich jede vorstellbare Nebenwirkung. Die schlimmste waren 20 kg unkontrollierte Gewichtszunahme bei maximaler Nährstoffunterversorgung, weil ich erfolglos versuchte das ganze durch Essensminimierung zu kontrollieren.
Depressionen sind eine der häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit und beeinflussen das Leben von Millionen Menschen. Sie waren meine erste Diagnose und der Beginn einer langen Heilungsreise. Und ja, auch hier schreibe ich mit Absicht „erste“, denn im Laufe der folgenden Jahre wurde daraus eine lange Liste mit Diagnosen, die, wie ich heute weiß, auch nur ein Ausdruck von ärztlicher Hilflosigkeit und der Abrechnung mit der Krankenkasse oder aus finanz-taktischen Gründen erfolgten.
Was ich dir heute – 26 Jahre später mit absoluter Überzeugung sagen kann ist: Es gibt Hoffnung! Die Forschung schreitet voran, und es werden ständig neue Ansätze zur Behandlung von Depressionen entwickelt. Man weiß heute so viel mehr über das Entstehen und Heilen von Depressionen als ich mir damals auch nur im Traum hätte vorstellen können. In diesem Artikel werde ich dir einen Einblick darüber geben.
Die Evolution der Antidepressiva: Moderne Optionen
Die Behandlung von Depressionen hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Während traditionelle Antidepressiva wie SSRIs und SNRIs weiterhin eine wichtige Rolle spielen, gibt es heute modernere Optionen, die gezielter wirken und weniger Nebenwirkungen haben können.
Neue Wirkstoffe und Wirkmechanismen:
Die Forschung konzentriert sich auf neue Wirkstoffe, die auf andere Neurotransmitter und Rezeptoren im Gehirn abzielen. Diese Medikamente können Menschen helfen, die auf herkömmliche Antidepressiva nicht ansprechen.
Personalisierte Medikamentenansätze:
Die Pharmakogenetik ermöglicht es, Medikamente basierend auf deiner genetischen Veranlagung auszuwählen. So können Ärzte die Therapie besser auf dich abstimmen und die Wirksamkeit erhöhen.
Psychedelische Therapie: Psilocybin und Ketamin
Psychedelische Substanzen wie Psilocybin und Ketamin haben in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit in der Depressionsforschung erregt. Sie können tiefgreifende Veränderungen im Gehirn bewirken und neue Perspektiven eröffnen.
Psilocybin-gestützte Psychotherapie:
Studien zeigen, dass Psilocybin in Kombination mit Psychotherapie bei therapieresistenten Depressionen wirksam sein kann. Es kann dir helfen, emotionale Blockaden zu lösen und neue Einsichten zu gewinnen.
Ketamin-Infusionen und -Nasensprays:
Ketamin wirkt schnell und kann bei akuten Depressionen oder Suizidgedanken eine schnelle Linderung bringen. Es wird oft in Form von Infusionen oder Nasensprays verabreicht.
Neurostimulation: Direkte Beeinflussung des Gehirns
Neurostimulationstechniken bieten eine nicht-invasive Möglichkeit, das Gehirn direkt zu beeinflussen und die Symptome von Depressionen zu lindern.
Transkranielle Magnetstimulation (TMS):
TMS verwendet Magnetfelder, um bestimmte Bereiche des Gehirns zu stimulieren. Es ist eine sichere und gut verträgliche Therapieoption.
Tiefe Hirnstimulation (THS):
THS ist ein invasiver Eingriff, bei dem Elektroden in das Gehirn implantiert werden. Es wird oft bei schweren, therapieresistenten Depressionen eingesetzt.
Vagusnervstimulation (VNS):
VNS stimuliert den Vagusnerv mit elektrischen Impulsen. Es kann die Stimmung verbessern und die Symptome von Depressionen reduzieren.
Digitale Therapie und Telemedizin: Zugang und Flexibilität
Digitale Technologien bieten neue Möglichkeiten, Depressionen zu behandeln und den Zugang zur Therapie zu erleichtern.
Apps und Online-Programme:
Es gibt viele Apps und Online-Programme, die dir helfen können, deine Stimmung zu verbessern und deine Symptome zu bewältigen. Sie bieten oft Übungen, Meditationen und andere Ressourcen.
Virtuelle Realität (VR) in der Therapie:
VR kann dir helfen, dich in sicheren und kontrollierten Umgebungen mit deinen Ängsten und Traumata auseinanderzusetzen.
Der Einfluss von Ernährung und Mikrobiom
Die Forschung hat gezeigt, dass die Ernährung und das Mikrobiom eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Behandlung von Depressionen spielen können.
Die Darm-Hirn-Achse und Depression:
Der Darm und das Gehirn sind über die Darm-Hirn-Achse miteinander verbunden. Eine gesunde Darmflora kann deine Stimmung positiv beeinflussen.
Ernährungsumstellung als Therapieunterstützung:
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann deine Stimmung verbessern. Vermeide unbedingt verarbeitete Lebensmittel und Zucker.
Ketose und exogene Ketone
Die ketogene Ernährung und exogene Ketone können das Gehirn mit Energie versorgen und die Symptome von Depressionen lindern.
Ketogene Ernährung bei Depression:
Die ketogene Ernährung ist reich an Fett und arm an Kohlenhydraten. Sie kann die Produktion von Ketonkörpern fördern, die das Gehirn mit Energie versorgen und deine Neurotransmitter wieder in die Balance bringen.
Der Einsatz von exogenen Ketonen:
Exogene Ketone können dir helfen, in den Zustand der Ketose zu gelangen, ohne deine Ernährung drastisch umzustellen. In Kombination mit ketogener Ernährung kannst du die positiven Effekte sogar noch verstärken. Auf meinem Blog findest du weitere Artikel dazu, in denen ich näher auf die Wirkungen und Einflüsse eingehe. Zum Beispiel den hier.
Nährstoffmangel und Medikamente
Medikamente zur Behandlung von Depressionen führen zu Nährstoffmangel, da den Spiegel von Vitaminen und Mineralstoffen im Körper senken. Diese sehr wichtige Nebenwirkung der medikamenteninduzierten Nährstoffdefizite wird oft unterschätzt oder gar nicht berücksichtigt und führt zu einer unerwünschten Negativspirale.
Strategien zur Vorbeugung und Behandlung:
Sprich mit deinem Arzt über mögliche Nährstoffmängel – insbesondere aufgrund der Medikamente, die du einnimmst – und erwäge die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
Wichtige Nahrungsergänzungsmittel bei Depression
Einige Nahrungsergänzungsmittel können dir helfen, deine Stimmung zu verbessern und deine Symptome zu lindern.
Vitamin D:
Ein Mangel an Vitamin D kann mit Depressionen in Verbindung gebracht werden. In der naturheilkundlichen Medizin achten wir auf den 25(OH)D Spiegel im Blut von mehr als 60 ng/ml.
Omega-3-Fettsäuren:
Omega-3-Fettsäuren können die Stimmung verbessern und Entzündungen im Gehirn reduzieren. Achte auf hochwerte Produkte und schreib mir gerne, wenn du eine Empfehlung möchtest.
B-Vitamine:
B-Vitamine sind wichtig für die Funktion des Nervensystems. Achte auf hochwerte Produkte und schreib mir gerne, wenn du eine Empfehlung möchtest.
Andere relevante Supplemente:
Magnesium, Zink und Probiotika können auch hilfreich sein. Achte auch hier auf hochwerte Produkte und schreib mir gerne, wenn du eine Empfehlung möchtest. Hier klicken für eine WhatsApp-Nachricht.
Personalisierte Therapie: Der individuelle Weg zur Genesung
Jeder Mensch ist einzigartig, und die Behandlung von Depressionen sollte individuell angepasst werden. Sprich mit deinem Arzt oder Therapeuten über deine Symptome und Bedürfnisse, um die beste Therapie für dich zu finden.
Zukunftsausblick: Was bringt die Forschung?
Die Forschung zu neuen Ansätzen zur Behandlung von Depressionen schreitet voran. Es gibt Hoffnung auf wirksamere und personalisierte Therapien, die dir helfen können, deine Depressionen los- und hinter dir zu lassen.
Wo finde ich Hilfe und weitere Informationen?
Wenn du unter Depressionen leidest, zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt viele Ressourcen und Organisationen, die dir helfen können.
- Dein Hausarzt
- Psychotherapeuten und Psychiater
- Selbsthilfegruppen
- Online-Foren und -Communities
- eine virtuelle Sprechstunde in meiner Praxis
Denke daran, dass du nicht allein bist. Es gibt Hoffnung, und es gibt Hilfe.
Mein persönlicher Rat an dich
Ich habe im Laufe der Jahre sehr viel ausprobiert. Die Dinge, die mir am meisten, besten, nachhaltigsten geholfen und mich vorwärts gebracht haben, nutze ich heute als Traumatherapeutin in meiner Praxis, z.B. die Systemische Aufstellung in der Gruppe. Ich weiß viel zu gut, wie dunkel das Leben sich anfühlen kann. Aber hier bin ich, immer noch lebendig, um so vielen Menschen wie möglich zu zeigen, dass wirklich jeder die Dunkelheit in Licht verwandeln kann.
Wenn du mehr über mich und meine Geschichte erfahren willst, lies meinen Blog und mein Buch und folge mir @besserlebenmitbiene auf Instagram.